Kämpfe und Auseinandersetzungen um wichtige Domains

Ein Überblick über die populärsten Domain-Streitigkeiten der Vergangenheit: mtv.com, mcdonalds.com & Co.

Domain Duelle

Wenn zwei sich streiten: erbitterte Domain-Duelle

Telefon, Auto, Farbfernsehen und Co. – technologischer Fortschritt ging in der Vergangenheit der Menschheit stets mit Zweiflern und Kritikern einher. Auch an das Internet wollte anfangs kaum jemand so recht glauben. Das World Wide Web sei nicht mehr als ein Hype, befand 1993 zum Beispiel jemand, der es eigentlich besser hätte wissen müssen: Microsoft-Gründer Bill Gates.
Ob sich die Unternehmen damals von dieser und anderen Expertenmeinungen beeinflussen ließen, ist nicht überliefert. Bekannt ist: So manche Firma hat dem heute kaum mehr wegzudenkenden Internet in den 1990er Jahren keine große Bedeutung beigemessen. Entsprechend versäumten viele Eigentümer, Vorstände und Marketingexperten, sich eine aussagekräftige Domain für ihr Business zu sichern. Sie möchten gerne einige Beispiele sehen? Bitte sehr!


#1 MTV geht fahrlässig mit mtv.com um

Als auf eine jugendliche Zielgruppe ausgerichteter Musiksender hätte man bei MTV Anfang der 1990er Jahre den ebenso jugendlichen Trend zur Digitalisierung eigentlich erkennen müssen. Doch statt der Chefetage interessierte sich bei dem im Jahr 1981 gegründeten Fernsehsender von Viacom Media Networks nur einer für das World Wide Web: der angestellte Videojockey (VJ) Adam Curry. In weiser Voraussicht sicherte er sich die Domain mtv.com.
Skurril wird die Geschichte vor allem dadurch, dass sich bei MTV und seinem Mutterkonzern Viacom niemand für die Domainbesitzansprüche eines einfachen Angestellten interessierte. So berichtete es später jedenfalls Curry: Auf Nachfrage bei seinen Vorgesetzten verneinten diese, ein Problem mit der Domain-Registrierung von mtv.com zu haben. Mehr noch: Am Internet habe man kein Interesse, hieß es angeblich.
Diese Einstellung änderte sich ein Jahr später. Im Jahr 1994 kündigte Curry bei MTV. Und mit ihm verließ auch mtv.com den Sender. Das dadurch plötzlich erweckte Interesse der Entscheidungsträger am Internet mündete in einer Klage gegen Curry – und schließlich in einer außergerichtlichen Einigung.


#2 Nur einer interessiert sich für mcdonalds.com

Der eigene Firmenname in Verbindung mit einer seriösen und geschäftlichen Dotcom-Domain – heutzutage der Traum eines jeden Marketing-Experten und Start-up-Gründers; im Jahr 1994 aber offensichtlich zumindest für McDonalds nicht erstrebenswert. Wer nämlich glaubt, die weltweit bekannte Fast-Food-Kette hätte damals gesteigertes Interesse am Besitz von mcdonalds.com gehabt, der irrt.
Dieses Interesse entwickelte vielmehr Joshua Quittner. Der Journalist arbeitete zu dieser Zeit an einer Story über den Wert von Domainnamen. Und da kam ihm die unregistrierte McDonalds-Domain gerade recht. Er sicherte sich mcdonalds.com und fragte unverbindlich beim Burger-Konzern an, ob man denn kein Interesse an der Webadresse habe. Die Antwort verblüfft nach heutigen Maßstäben: Ob er denn glaube, dass das Internet eine große Sache sei, fragte die Presseabteilung im Gegenzug neugierig nach.
Quittner behielt die Domain also – und fragte am Ende seines später veröffentlichten Artikels die Leser, was er denn nun mit der für McDonalds offensichtlich wertlosen Domain anstellen solle. Am Ende einigte man sich dann doch noch: Für eine Spende in Höhe von 3.500 US-Dollar an eine öffentliche Schule in Brooklyn gab der Journalist die Domain frei. Das Geld wurde übrigens in Computer und Internetzugänge investiert.


#3 Candyland.com – für Erwachsene oder Kinder?

Ein buntes Lernspiel für Kinder hatte Eleanor Abbott im Sinn, als sie im Jahr 1948 das Brettspiel Candyland für Milton Bradley entwarf. Dass der Titel ein Bestseller und Milton Bradley knapp vier Jahrzehnte später an Hasbro verkauft werden würde – geschenkt. Viel interessanter ist, was Internetnutzer im Jahr 1995 unter der Domain candyland.com vorfinden konnten: eine nicht jugendfreie Website des Pornografie-Publishers Internet Entertainment Group.
Hasbro war davon nicht sonderlich begeistert – und zog vor Gericht. Im Jahr 1996 wechselte die Domain auf gerichtliche Anordnung den Besitzer. Die Begründung: Hasbro besitze seit 1951 die Markenrechte an Candyland und Candy Land. Außerdem würden unbedarfte Internetnutzer und insbesondere Kinder unter der Webadresse candyland.com doch etwas anderes erwarten als Pornografie.


Noch mehr Domain-Streitigkeiten

Seit diesen Streitfällen im frühen Internetzeitalter gab es immer wieder Dispute um Domains. So war eine Vereinigung namens „People EatingTasty Animals“ schneller mit der Registrierung der Domain peta.org als die unter dem Namen PETA bekannte Tierrechtsorganisation „People fortheEthical Treatment ofAnimal“. Im Jahr 2001 ging die Domain nach einem Gerichtsentscheid wegen Markenrechtsverletzung doch noch an die echte PETA.

Um roadrunner.com haben sich jahrelang Warner Brothers als Rechteinhaber der gleichnamigen Comicfigur und die IT-Firma Road Runner Computer Systems gestritten. Nach einer außergerichtlichen Einigung gehört die Domain heute einem Joint Venture aus Time Warner, MediaOne, Microsoft, Compaq und Advance/Newhouse.

Auch freundin.de war nicht immer im Besitz der seit im Jahr 1948 erscheinenden Frauenzeitschrift Freundin, sondern gehörte einer Partnerschaftsvermittlung. Erst nach mehreren Instanzen ordnete das OLG München schließlich aus markenrechtlichen Gründen eine Übereignung der fraglichen Domain an.