Emoji-Domains: Sinnvoll oder nicht?

Seit 2011 gibt es die Möglichkeit, Emojis bei der Registrierung einer Domain zu nutzen. Erfahren Sie jetzt, ob eine Bildchen-Domain sinnvoll ist.

 

Sie lachen, sie weinen, sie zwinkern – Smileys, Emoticons und Emojis sind aus der digitalen Kommunikation der heutigen Zeit nicht mehr wegzudenken. 2015 hat Oxford Dictionaries sogar den Tränen lachenden Smiley zum „Wort“ des Jahres gewählt.

 

Kein Wunder, dass jemand auf die Idee kommen würde, die bunten Mini-Bildchen in Domain-Namen zu verwenden. Die Grundlagen legte die ICANN bereits vor Jahren: 2003 begann die internationale Webadressen-Verwaltung unter dem Begriff „Internationalized Domain Names“ die technischen Voraussetzungen dafür zu schaffen, Domain-Namen mit Nicht-ASCII-Zeichen zu erstellen. Zum Einsatz kommen sollte der internationale Codierungsstandard Unicode mit über 120.000 Zeichen – darunter viele Emojis.

 

Aber ist eine derart ungewöhnliche Web-Adresse sinnvoll? Und was hat es mit diesen Emojis überhaupt auf sich?

 

Vom Smiley über das Emoticon zum Emoji

Es gab sicher Menschen, die „Punkt, Punkt, Komma, Strich“ noch vor Scott Fahlman verwendet haben. Dennoch gilt der Computer-Wissenschaftler als Initiator der Art und Weise, wie diese und sich daraus ableitende Zeichenfolgen später zur Kommunikation im Internet verwendet wurden.

 

1982 schlug Fahlman auf dem Bulletin-Board im Intranet der Carnegie Mellon University in Pittsburgh vor, :-) und :-( zu verwenden, um scherzhaft und ernst gemeinte Kommentare besser auseinanderhalten zu können. Der Smiley des Digitalzeitalters war geboren.

 

Später folgten sogenannte Emoticons, die die bekannten Smiley-Zeichenketten in Messenger-Programmen, Foren und anderen Online-Kommunikationsmitteln automatisch in kleine passende Bildchen umwandelten.

 

Die letzte Evolutionsstufe zum Emoji erklommen die kleinen Bildchen Ende der 1990er-Jahre in Japan. Aus den Gefühle ausdrückenden, gelben Gesichtern entwickelten sich viele weitere kleine Icons – vom Weihnachtsbaum über den vollen Bierhumpen bis zur Tänzerin.

 

Emoji-Domains: Ausdrucksstark und hip

Aus der Vielzahl an unterschiedlichen Emojis ergeben sich viele Möglichkeiten für innovative und bildliche Domain-Namen. Eine Pizzeria könnte sich das Stück Pizza  (Punycode xn--vi8h) als Adresse sichern. Ein Golf-Resort wählt beispielsweise den Golf-Spieler  (xn—9l8h) und ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt die Emoji-Folge der entsprechenden Körperteile  (xn--qp8h, xn--op8h, xn--np8h).

 

Dass die teils niedlichen Bildchen einen gewissen Reiz haben, ist den Emoji-Domains nicht abzusprechen. Früh erkannt haben das Coca-Cola und Norwegian Airlines.

 

 

 

Nachdem die ersten Emoji-Domains ab 2011 registrierbar waren, startete der Limonaden-Hersteller aus den USA mit leichter Verzögerung 2015 seine Emoticoke-Kampagne und sicherte sich dazu diverse Standard-Emojis als Web-Adressen. Fortan fanden Internet-Nutzer zum Beispiel unter dem tränenlachenden und dem Zunge rausstreckenden Smiley einen speziellen Web-Auftritt des Unternehmens.

 

 

 


Die norwegische Fluglinie wiederum bewarb eine Direktverbindung zwischen Kopenhagen und Las Vegas mit der Emoji-Kette Flugzeug, Spielautomat und geflügeltes Geldpaket   (xn--3bi, xn--hl8h , xn--0s8h).

 

 

  


Sicherheitsbedenken: ICANN warnt vor Emoji-Domains

Allerdings mussten sich die beiden großen Unternehmen genauso wie alle anderen Emoji-Domain-Registrare einschränken: Unter den beliebten und verbreiteten Top-Level-Domains wie .com, .de und .net sind Emoji-Domains nicht möglich. Unter anderem die ICANN hat hier aufgrund von Sicherheitsbedenken interveniert. Das Problem: Betrüger könnten sich die Tatsache zunutze machen, dass einige Unicode-Zeichen echten Buchstaben zum Verwechseln ähnlich sehen und sich die Web-Adressen deswegen optisch nicht mehr unterscheiden ließen. Phishing-Seiten wäre es dadurch ein Leichtes, seriöse Webseiten zu imitieren und Nutzerdaten auszuspähen.

 

Außerdem gibt es Bedenken aufgrund der unterschiedlichen Darstellung einiger Emojis auf verschiedenen Geräten. Auf Apple Geräten sieht ein weinender Smiley (xn--d38h) zum Beispiel anders aus als auf Samsung-Handys:

 

        

 

Sogar bei den verschiedenen Apple-Produkten bestehen Unterschiede. Zwar sind die unterschiedlichen Hautfarben menschlicher Ebenbilder im Emoji-Repertoire aus zahlreichen Gründen begrüßenswert, könnten Nutzer jedoch verwirren, wenn sie unter lediglich in Nuancen abgewandelten Emoji-URLs völlig unterschiedliche Internet-Angebote vorfinden.

 

Möglich sind Unicode- und damit Emoji-URLs lediglich unter länderspezifischen Domain-Endungen, die bei der Registrierung nicht ganz so streng sind. Coca-Cola und Norwegian Airlines wichen für ihre Kampagnen zum Beispiel auf die TLD .ws aus. Die länderspezifische Top-Level-Domain von Samoa hat sich mittlerweile zum Standard für Emoji-Domain-Registrierungen entwickelt.

 

Technische Probleme

Neben dieser Einschränkung ebenfalls problematisch: Auf der Domain eingerichtete E-Mail-Adressen funktionieren nicht mit Emojis. Stattdessen muss die ACE-Kodierung verwendet werden. Die korrekte Adressierung würde dann beispielsweise mail@xn–h28h.ws lauten. Das sieht dann nicht mehr ganz so spannend und putzig aus wie die dazugehörige Emoji-Domain .ws (Umwandeln kann man Emojis in ACE-Kodierung etwa hier) Zudem erkennen auch einige Web-Browser die putzigen Bildchen nicht. Betroffen sind insbesondere ältere Versionen. 

 

Rein aus Marketing-Sicht kann eine Emoji-Domain als Zusatz zur Haupt-Domain förderlich sein, zum Beispiel als kleiner Gag auf Visitenkarten oder als werbewirksame Maßnahme auf einem Plakat.

 

Alleine aufgrund der Vielzahl an Emojis gestaltet es sich für Nutzer aber überaus schwierig, die passende Web-Adresse in den Browser einzugeben – vor allem, wenn sich die Domain aus mehreren Emojis zusammensetzt. Darüber hinaus sind Emojis standardmäßig nur auf Tastaturen von Mobilgeräten verfügbar. Die witzig gemeinten Adressen auf einem stationären Computer oder Laptop einzutippen gestaltet sich daher deutlich komplizierter.

 

Über einen kurzweiligen Werbegag gehen Emoji-Domains unter den aktuellen technischen Voraussetzungen nicht hinaus.

 

Übrigens: Bei Sedo können Sie Emoji-Domains mit einer Zeichenlänge von 3 Byte zum Verkauf einstellen (etwa ☎,✉ oder☠). Welche Emojis in wie viele Bytes umgerechnet werden, können Sie mit einem Byte-Zähler herausfinden, etwa über mothereff.in/byte-counter