Domains der WM-Teilnehmer – Wie gut sind die Teams aufgestellt?

Die Domainnamen der WM-Teilnehmer 2018 in Russland sind eine eigene Untersuchung wert. 

 

Eine Fußball-Weltmeisterschaft wird gerade von kleineren Nationalverbänden als Chance betrachtet, sich vor einem weltweiten Publikum zu präsentieren. Für einzelne Spieler ist der Auftritt bei einem Turnier dieser Größenordnung wiederum die Gelegenheit, von einem renommierten Fußballklub unter Vertrag genommen zu werden.


Aus Sicht der nationalen Fußballverbände kann der Erfolg der eigenen Mannschaft dazu beitragen, dass der Fußballsport später im eigenen Lande an Popularität gewinnt und die eigenen Profi-Ligen aufwertet.


Vor diesem Hintergrund lohnt sich ein näherer Blick auf die Selbstvermarktung der Teams und Verbände, die sich für die WM 2018 in Russland qualifiziert haben. Zu klären ist vor allem folgende Frage: Wie finden Fans einer Nationalmannschaft direkt zur offiziellen Website? Denn diese ist der Dreh-und Angelpunkt für sämtliche Kommunikationsmaßnahmen. 

 

Wie lautet der Domainname des fünffachen Weltmeisters Brasilien?

Die brasilianische Nationalmannschaft "firmiert" mit einer schlichten Domain namens cbf.com.br, dabei gehört sie zu den Teams, das sich einer weltweiten Fangemeinde erfreut. Wie auch bei den meisten anderen WM-Teilnehmern, setzt sich der Domainname aus der Abkürzung des nationalen Verbandsnamens zusammen – in diesem Falle "Confederação Brasileira de Futebol".


Weltweit deutlich bekannter ist jedoch der "Kosename" des brasilianischen Teams: "Seleção", die "Auswahl oder "Auslese". Überraschenderweise gehört dem Verband weder die Domain mit der länderspezifischen Top-Level-Domain .com.br noch mit der international üblichen ".com"-Endung, beide sind jedoch vergeben. Diese sollten dennoch Bestandteil des Domain-Portfolios sein, damit User über diesen gängigen Suchbegriff ebenfalls ihr Ziel erreichen. 

 

Was bewirkt eine griffige und leicht verständliche Domain?

Ein klingender Domainname ist sicherlich hilfreicher für begeisterte Fußballfans als das schlichte Kürzel des Verbandsnamens. Dass zum Beispiel die Website des japanischen Teams unter der Domain jfa.jp für "Japan Football Association" zu finden ist, erschließt sich logischerweise. Die Kombination aus "Association" oder "Federation" plus "Football" plus Ländername findet sich bei den meisten Verbänden als Grundmuster für die Internetadresse.


Dieser direkte Weg zur offiziellen Website folgt bei Abkürzungen wie fsfoot.sn (Fédération Sénégalaise de Football) einem anderen Muster, bei der Domain ffiri.ir (Football Federation Islamic Republic of Iran) ist die Zeichenfolge deutlich länger als  bei Abkürzungen üblich.

  

Welche Rolle spielen die Spitznamen der Fußballteams? 

"Danish Dynamite" nennen die dänischen Anhänger ihr Team, das bei großen Turnieren bereits für Überraschungen gut war. Dennoch findet dieser Spitzname keinen Nachhall als Domainname. Er bleibt vom dänischen Verband ungenutzt.


Kaum anders sieht es mit der französischen "Équipe Tricolore" oder "Les Bleus" aus, wie die Fans ihr Team ebenfalls gerne nennen. Dabei wären solche etablierten, auch von Sportreportern immer wieder zitierten Kosenamen eine naheliegende Möglichkeit, sich eine verbraucherfreundlich und damit wirkungsvolle Domain oder Domainumleitung zu sichern. 

 

Wie stellt sich die deutsche Nationalmannschaft im Internet auf?

Leider wurde auch hier das Thema Domain-Marketing vernachlässigt: Teammanager Oliver Bierhoff schlug im Sommer 2015, ein Jahr nach dem vierten Titelgewinn bei der WM in Brasilien, einen neuen Weg ein.


Um der deutschen Nationalmannschaft, dem Aushängeschild des Deutschen Fußballbundes, eine eigene Identität zu verleihen, wurde sie offiziell als neue, eigenständige Marke deklariert: "Die Mannschaft". Noch fehlt eine entsprechend eigenständige Domain, sowohl die-mannschaft.de als auch diemannschaft.de und mannschaft.de sind bereits vergeben. Stattdessen ist die Marke lediglich als Rubrik auf der DFB-Website integriert: dfb.de/die-mannschaft/team/

 

Wie nutzen Teams ihre Außenseiter-Chancen?

Ausgerechnet die Schweiz, die nicht unbedingt zu den Fußballriesen zählt, behauptet sich domainmäßig recht souverän, denn sie nutzen den international gängigsten Begriff: football.ch. Ein interessanter WM-Neuling, nämlich das Team Panamas, scheidet hingegen sowohl sportlich als auch bezüglich seines Domainnamens aus dem Favoritenkreis aus: fepafut.com. Hier wurde vermutlich bei der Suche nach einem passenden Namen unter der Endung .com festgestellt, dass die Auswahl nicht mehr groß war, weshalb man sich dann auf eine "Kompromiss-Domain" einigte. Erstaunlich ist auch, dass der Verband nicht zusätzlich unter der ländereigenen TLD .pa zu finden ist.

 

Gibt es auch Kurioses unter den Domains der WM-Teilnehmer?

Während der Europameisterschaft 2016 in Frankreich spielte sich das Team Islands in die Herzen vieler Fußballfans, nicht nur der einheimischen. Daneben gilt der isländische Verband als Paradebeispiel für eine systematische Aufbauarbeit, was die nachhaltige Qualität ihrer Trainer und Fußballspieler betrifft.
Allerdings dürfte der Verbandsname "Knattspyrnusamband Íslands", zumindest für uns, zu den am wenigsten einprägsamen aller WM-Teilnehmer zählen. Die Abkürzung ksi.is als Webadresse ist in diesem Fall eine goldrichtige Entscheidung. 

 

Fazit: Die WM-Teilnehmer lassen zu viele "Torchancen" liegen

Was die Domains der WM-Teilnehmer betrifft, so besteht hinsichtlich Kreativität und Vermarktungspotenzial Luft nach oben. Auch der Gastgeber Russland weicht mit seiner Internetadresse rfs.ru nicht vom gängigen Muster ab. Die Situation stellt sich wie folgt dar:

 

  • Das Potenzial, das darin steckt, die von den Fans vergebenen Kosenmane als eigenständige und zusätzliche Domain zu verwenden, bleibt von allen Teilnehmern ungenutzt.
     
  • Die meisten Domainnamen, die aus Abkürzungen der Verbandsnamen hervorgehen, lassen sich von Fans oder Interessierten außerhalb des eigenen Landes kaum logisch ermitteln.
     
  • Fast alle Verbände setzen auf die Länderkennung als TLD. Internationale Endungen finden selten Anwendung.
     
  • Manche Domains von Teilnehmern der WM 2018 in Russland, die ohne Abkürzung des Verbandsnamens auskommen – zum Beispiel die schwedische Domain svenskfotboll.se –, sind weniger auf eine internationale Fangemeinde ausgerichtet.
     
  • Den Engländern, immerhin Repräsentanten der wertvollsten Fußball-Liga der Welt, hätte man noch am meisten zugetraut. Aber mit thefa.com für "The Football Association" zählen auch sie höchstens zu den Geheimfavoriten.