Diese Firmen mussten um ihren eigenen Domain-Namen kämpfen

und warum es auf nissan.com keine Autos gibt.

 

Update: Jetzt hat es auch die CSU erwischt!

  

1943 meinte Thomas Watson, dass die gesamte Nachfrage nach Computern auf dem Weltmarkt gerade einmal fünf Stück betrage. Und der Mann hätte es damals eigentlich besser wissen müssen: Er war bis 1956 Vorstandsvorsitzender des IT- und Beratungsunternehmens IBM. Viele Jahre später tat es ihm ein weiterer Tech-Pionier mit einer unglaublichen Fehlprognose gleich: 1993 stellte der Microsoft-Mitgründer und Harvard-Abbrecher Bill Gates die These auf, dass das Internet nur ein Hype sei.

 

Dass es anders kam, ist uns heute allen klar. Alleine bis 2011 war geschätzt ein Drittel der gesamten Weltbevölkerung online. Dennoch stand Gates in den 1990er-Jahren mit seiner Meinung nicht alleine da. Die Führungsetagen zahlreicher etablierter Unternehmen taten das Internet als vergänglichen Trend ab und verschliefen es, sich auf das Internet-Zeitalter vorzubereiten.

 

Bis Mai 1994 hatte gerade einmal ein Drittel der 500 umsatzstärksten Unternehmen der Welt die für ihren Firmennamen naheliegende Domain registriert. Das rächte sich später: Populäre Top-Level-Domains waren Mitte der 1990er bereits besetzt, es bahnten sich teure Ablösezahlungen und Rechtsstreits an.

 

Lesen Sie hier fünf Beispiele für bekannte Firmen, die um ihren eigenen Domain-Namen kämpfen mussten:

 

Mcdonalds.com wollte niemand haben

1994 hatte der Journalist Joshua Quittner eine Idee für eine gute Story: Inmitten der laufenden Debatte um den Sinn und Unsinn des Internets schrieb er einen Artikel über den Wert von Domains. Bei seinen Recherchen stieß er auf dieungenutzte Webadresse mcdonalds.com – und griff in weiser Voraussicht zu.

 

Zu seiner Überraschung interessierte das jedoch niemanden: Bei McDonald's fühlte sich keiner für dieses Internet zuständig und auch der Konkurrent Burger King wollte sich nicht mit dem digitalen Neuland befassen – geschweige denn, mcdonalds.com kaufen und den Mitbewerber ärgern.

 

Was also anstellen mit der neu registrierten mcdonalds.com-Domain, fragte Quittner und bat seine Leser um Vorschläge an [email protected] Später fand sich dann doch noch jemand, der zuständig war: Die Domain ging an McDonald's. Im Gegenzug spendete der Burger-Konzern 3.500 US-Dollar an eine Schule in Brooklyn für die Anschaffung von Computern und Internet-Zugängen.

 

MTV läuft mtv.com hinterher

Auch bei MTV interessierte sich Anfang der 1990er-Jahre niemand für das Internet. Bis auf einen: Der beim Musiksender angestellte Visual Jockey (VJ) Adam Curry sicherte sich kurzerhand mtv.com. Er fragte sogar noch bei seinem Arbeitgeber MTV nach, ob es damit ein Problem gebe. Dieser verneinte – und bereute seine Aussage ein Jahr später.

 

1994 kündigte Curry nämlich bei MTV. Mit ihm ging dem Sender auch die Domain mtv.com verloren. Der Fall landete vor Gericht, wo sich beide Parteien später einigten: Die Domain ging für einen nicht näher genannten Dollar-Betrag an MTV.

 

Warum es auf nissan.com keine Autos gibt

Was haben ein japanischer Autohersteller und ein israelischer Immigrant gemeinsam? Die Antwort: den Namen – und das Interesse an der Domain nissan.com. Die sicherte sich 1994 der Computer-Unternehmer Uzi Nissan, um darüber Computer-Hardware und Netzwerk-Dienste zu verkaufen. Zwei Jahre später startete er unter nissan.net einen kleinen Internet-Service-Provider.

 

Beides war dem großen Automobilkonzern aus Asien ein Dorn im Auge – auch wenn er seinen Internet-Auftritt bis dahin unter nissanmotors.com betrieb. 1999 landete der Fall vor Gericht. Dann vor noch einem. Und noch einem. Das vorläufige Ende des Liedes: Uzi Nissan darf die Domain unter Auflagen behalten. Der japanische Automobilhersteller muss mit nissanusa.com vorliebnehmen.

 

Tesla.com wechselt nach 24 Jahren den Besitzer

Eine Fanseite zu Ehren von Nikola Tesla hielt Stu Grossman Anfang der 1990er-Jahre für eine gute Idee: 1992 sicherte sich der Ingenieur aus dem Silicon Valley die Domain tesla.com und huldigte darauf dem legendären Erfinder, Physiker und Elektroingenieur.

 

Dass sich ab 2003 ein kalifornischer Hersteller von Elektroautos ebenfalls Tesla nennen würde, war da noch nicht klar. Zunächst begnügte sich das Unternehmen mit der Webadresse teslamotors.com.

 

Wie die Einigung letztlich zustande kam, ist unklar. 2016 überschrieb Grossman die Domain jedenfalls an Tesla Inc.

 

Facebook kämpft um facebook.com

Tatsächlich: Selbst der heute so bekannte Internet-Konzern Facebook ist einst einem Irrtum aufgesessen. Oder konkreter: Facebook-Gründer Mark Zuckerberg war es. Dieser startete sein heute so populäres Social Network nämlich ursprünglich unter dem etwas sperrigen Namen Thefacebook – und nutzte dazu die naheliegende Domain thefacebook.com.


2005 erfolgte die Korrektur: Der neu eingestellte Napster-Gründer Sean Parker überredete Zuckerberg, auf das „The“ im Namen zu verzichten. Aus Thefacebook wurde Facebook – und facebook.com wechselte für 200.000 US-Dollar den Besitzer.

 

Update: Bavaria.one gehört nicht der CSU

Kurz vor der Landtagswahl 2018 in Bayern machte Markus Söder mit dem Zukunftsprojekt "Bavaria One" auf sich aufmerksam. Das dazugehörige Logo mitsamt Konterfei des Spitzenkandidaten erntete Häme im Netz und manch einer fragte sich, ob das noch ernst zu nehmen oder schon Satire sei. Tatsächlich aber soll in München die größte Luft- und Raumfahrtfakultät Europas gebaut werden. Ein ambitioniertes Projekt! Und für alle Unternehmungen gilt - egal ob freie Wirtschaft oder Politik - dass man im Netz auffindbar sein sollte. Dazu braucht es eine Website. Goldene Regel dabei: Die Domain muss zum Namen passen. Das scheint man bei der CSU allerdings missachtet zu haben.

 

De facto leitet die Domain auf eine geparkte Seite weiter anstatt auf die offizielle Webseite der CSU oder auf ein Social-Media-Profil des Verantwortlichen. Auch bavariaone.bayern ist bereits in Nutzung. Die Website persifliert das bayrische Prestigeprojekt sogar und bietet einen Logo-Generator für die eigene "Mission Zukunft" an. Die andere naheliegende Domain, bavariaone.de, ist auch nicht in Nutzung und liegt einfach nur brach. Das eigene Portfolio sollte aber immer alle Domain-Varianten abdecken und neben der klassischen Endung .de auch neue Domainendungen beinhalten. 

 

Neben der Schlappe bei der Landtagswahl kommt also dieses digitale Versäumnis hinzu, obwohl man viel Energie in den "Markenauftritt" gesteckt hat und sich als äußerst zukunftsorientiert zeigen wollte. So wird das Partei-Profil für digitale Kompetenz geschwächt, obwohl das Projekt an sich vielversprechend ist.

 

Wie Sie selbst solche Fehler vermeiden können, zeigen wir Ihnen in unseren 10 goldenen Regeln für erfolgreiches Domain-Marketing.